Bueno… así es! Ihr glaubt nicht wie oft ich diesen Spruch in den letzten Tagen gehört habe. Das Leben hier und die Mentalität ist ganz anders als Zuhause, wenn die Sachen gut laufen, was sie in den seltensten Fällen tun, dann freut man sich und wenn sie nicht so laufen, dann nimmt man es eben so wie es ist. Man darf sich hier auf keinen Fall zu viel Gedanken machen was man am nächsten Tag macht und auf gar keinen Fall darauf versteifen, denn es kommt immer anders. Das kann sehr positiv sein, aber auch sehr negativ.
Die Argentinier sind sehr aufbrausend, spontan und emotional, da fällt es einem leicht zu glauben, dass viele italienische Vorfahren haben.
Ich hab mich soweit es geht dieser Mentalität angepasst und lebe in den Tag hinein, ich nehme mit was kommt und genieße es.
Am Freitag beispielsweise sind wir den Rio San Marco hochgelaufen bis zur Windmühle. Warum es Windmühle heißt weiß ich nicht, denn was uns erwartet hat, war ein verlassenes Haus. Der Weg war absolut einzigartig, jetzt habe ich das Gefühl in einer der schönsten Gegenden gelandet zu sein und versteh, warum es hier so viel Hippies hinzieht.
Wir sind direkt am Fluss entlang gelaufen, also mitten durchs Gebüsch. Man musste etwas aufpassen, dass die Dornen der Kakteen und der Büsche einen nicht erwischen, denn sie haben ein Nervengift was die Stichstelle eine halbe Stunde lang betäubt.
Der Fluss war umringt von mittelgroßen Bergen und floss mitten durchs Tal. Neben dem Fluss ist ein Aquädukt, was die Wasserzufuhr im Dorf sichert.
Manchmal mussten wir den Fluss überqueren was auf den glitschigen Steinen gar nicht so einfach war.
Am Flussufer sahen wir oft Rinder grasen, die hier überall frei herum laufen (Es gibt auch Straßenschilder mit Kühen drauf, ähnlich wie unsere, wo Hirsche drauf sind).
Bei der Mühle angekommen setzten wir uns hin und genossen den Sonnenuntergang, der alle Berge rot-golden erstrahlen ließ, ein absolut traumhafter Anblick, welcher San Marco so besonders macht.
Zurück im Dorf gab es einen Workshop zu Chacarera, ein hier typischer Folklore Tanz im 6/8 Takt, ganz schön schwer. Der Workshop wurde von den im Dorf allbekannten Hippies abgehalten und sie brachten uns den Tanz mit Freude bei.
Ich hatte richtigen Spaß sobald ich den Tanz erst einmal einigermaßen konnte und ich werde nächste Woche auf jedenfall wieder hingehen.
Nach dem Tanz sind wir noch in eine Kneipe gegangen, wo mich der Kneipier zum Basketballspiel, Deutschland gegen Argentinien, am nächsten Tag bei sich zuhause einlud.
Ich habe es leider verschlafen, was aber nicht weiter schlimm war, eben argentinische Mentalität.
Am Samstag wurde von den Hippies ein Cinefestival abgehalten mit kritischen Filmen, welche ich mir fast alle angeguckt hab. Einige waren sogar richtig gut und mir fiel es erstaunlich leicht sie zu verstehen.
Hier im Waisenhaus geht es mir mittlerweile ziemlich gut. Ich hab mich gut eingelebt, werde von allen akzeptiert und respektiert und die Kinder tanzen mir nichtmehr so extrem auf der Nase herum.
Seit gestern hab ich sogar ein Kopfkissen und eine Klobrille!
So langsam muss ich auch anfangen zu arbeiten, was noch eigentlich nicht viel ist, da mir alles gezeigt wird und ich die meiste Zeit eher daneben stehe und zugucke.
Im Moment müssen wir nur vier bis fünf Stunden am Tag arbeiten, was sehr gut von der Hand geht.
Mein Tag beginnt morgens damit, dass ich die Jungs aufwecke und kontrollieren muss, dass sie alle aufstehen, sich die Schulkleidung anziehen und ihr Bett machen. Das ist der schwerste Teil der Arbeit, weil die chicos natürlich nur zu gut wissen, dass der neue Tio noch nicht alle Regeln kennt und auch nicht alles versteht. Dementsprechend weigert sich die eine Hälfte und die andere Hälfte verpetzt die anderen.
Dann muss ich aufpassen, dass diejenigen die erst später zur Schule fahren keinen Mist im Comedor (dem Essensraum) bauen, und ihnen das Frühstück zubereiten, was hier nur aus Tee und Keksen besteht, also eigentlich sehr einfach.
Danach wecke ich die kleinen auf, was recht angenehm ist, denn wenn man einmal laut wird gehorchen sie einem eigentlich, aber auf Dauer ist es schon recht anstrengend.
Zusätzlich muss ich noch die ganze Wäsche machen und abends die kleinen baden und bei den großen aufpassen, dass sich alle vernünftig waschen.
Ich denke es werden noch ein paar Aufgaben hinzukommen, aber damit bin ich momentan schon voll beschäftigt.
Ich hatte in den letzten Tagen große Probleme damit Geld abzuheben, was definitiv mit der argentinischen Mentalität zusammenhängt! Entweder funktioniert meine Karte im Geldautomaten nicht, oder es ist kein Geld im Automaten vorhanden. Frieda meinte, einem ehemaligem Freiwilligen wurde sogar Geld abgezogen, obwohl er nichts aus dem Automaten bekommen hat.
Deshalb bin ich gestern mit nach Cordoba gefahren um dort Geld abzuheben, was aber auch nicht so geklappt hat, wie ich es wollte. Wie gesagt, das Leben in Argentinien ist ein Abenteuer.
Der Tag war sehr anstrengend, da wir morgens um 5:30 Uhr losgefahren sind und erst abends um 20:00 Uhr zurückgekommen sind. Dann heute direkt Frühschicht hat mich schon ganz schön in die Knie gezwungen, pero así es la vida.
Mir geht es hier sehr gut und ich bin froh über die vielen neuen Erfahrungen die ich hier bekomme. Solange man die Sachen nimmt wie sie kommen und sich auf nichts versteift, lässt es sich hier super Leben und man kann sich mit allem arrangieren.
Ich habe auch das Gefühl, dass die Leute mit mir zufrieden sind, wie ich an die Arbeit herangehe und dass sie die Hilfe wirklich benötigen. Ich bin gespannt darauf, was die nächsten Tage mit sich bringen.