Archive for September, 2010

Capilla del Monte

Sonntag, September 12th, 2010

Mein erster freier Tag und was nehme ich mir vor? Natürlich eine Runde wandern mit Frieder und Tina! Wir stehen recht spät gegen 8:00 Uhr auf und werden von Adrian mit nach Cruz del Eje genommen, der die Kinder zur Sonderschule fährt. Cruz del Eje ist die nächstgrößere Stadt mit ungefähr 10.000 Einwohnern, man braucht mit dem Auto etwa 20 min bis dahin.

In Cruz del Eje gehen wir zum Terminal und kaufen uns Bustickets bis nach Capilla del Monte und wie das eben so ist in Argentinien sagt uns jeder der Busfahrer etwas anderes und wir warten vor einem Bus auf dem „Capilla del Monte“steht. Nach einer halben Stunde lässt er die Leute einsteigen und ändert sein Schild um auf eine Stadt die in der entgegengesetzten Richtung liegt.

Wir haben also folglich unseren Bus verpasst und müssen nun eine halbe Stunde auf den nächsten warten, der auch wirklich nach Capilla del Monte fährt.

Dort angekommen steigen wir noch einmal in einen kleinen Bus um der uns direkt zum Fuß des Berges fährt, den wir erklimmen wollen.

Pünktlich um 12:00 Uhr (haha) kommen wir dann auch endlich an.

Der Uritorco ist der größte Berg im nördlichen Gebirgszug der Sierras de Cordoba und ist etwa 1900 Meter hoch. Um ihn ranken sich viele Geschichten, so behaupten zum Beispiel einige, dass regelmäßig Ufos auf ihm landen würden, andere meinen dieser Ort besitzt eine besondere Energie und erweckt Geister zum Leben. Ob das eine aus dem anderen resultiert, oder umgekehrt, weiß ich nicht und was man davon glauben soll ist jedem selbst überlassen, aber fest steht, dass der Berg tatsächlich eine sehr besondere Atmosphäre hat und man nachvollziehen kann, wie diese Geschichten entstanden sind.

Wir müssen uns unten anmelden und den Eintritt bezahlen. Auf dem Zettel stehen lauter Sachen die wir nicht verstehen, da es sich um irgendwelche Krankheiten handelt. Wir fragen bei fast jeder Sache den Verantwortlichen und er beantwortet sie uns, aber fügt auch bei allem hinzu, dass es auch egal sei. Als ich angebe, dass ich Asthma habe fragt er mich, ob ich mein Spray dabei hab. Ich verneine und er meint das wäre auch nicht weiter schlimm.

Ich frage mich wozu diese Anmeldung überhaupt gut war, wenn eh alles egal ist!

Wir brechen auf mit Besenstielen als Wanderstöcken, welche wir in einem Karton gefunden haben. Das erste Stück ist recht leicht zu laufen, auch wenn der Weg recht schmal und ziemlich steinig ist. Wir haben trotzdem ein sehr langsames Tempo, was einerseits daran liegt, dass Tina Chucks an hat, was nun wirklich nicht die idealen Wanderschuhe sind und zum anderen daran, dass wir uns einfach nicht hetzen und die schöne Aussicht genießen wollten.

Wir machten außerdem ziemlich viele Pausen was mir sehr gut gefiel, da wir so die wunderschöne Landschaft bestaunen konnten und auch viel Zeit hatten uns zu unterhalten. Wir kauten Koka, dass Frieder mitgenommen hatte, denn er meinte, das hilft gegen den Höhenunterschied und lässt einen weniger ermüden. Ob es bei der Höhe schon nötig gewesen wäre glaube ich nicht, war aber trotzdem interessant!

Sobald man die ersten 500 Meter Höhenunterschied überwunden hatte, konnte man das gesamte Tal überblicken, in dem Capilla del Monte liegt. In der Ferne sah man einen großen blauen See und hinter einer weiteren Hügelkette vermuteten wir San Marcos.

Als wir nur noch einen Kilometer vom Gipfel entfernt waren kam uns der Typ von der Anmeldung entgegen und meinte wir müssten jetzt umkehren, da wir es sonst nicht mehr im hellen schaffen würden und er der Verantwortliche wäre. Frieder und ich verstanden es nicht wirklich, da wir bis dahin wirklich im Schneckentempo gelaufen waren und es erst 15 Uhr war. Bis zum Gipfel hätten wir es wahrscheinlich noch locker geschafft wären wir einfach vom Spaziertempo aufs Wandertempo umgestiegen, aber wir konnten seine Situation auch nachvollziehen.

Also legten wir eine lange Pause auf einem Vorsprung ein und tranken eine Runde Maté.

Mir ist aufgefallen, dass ich bis jetzt noch gar nichts vom Maté erzählt habe. Ich bin hier zum ziemlichen Maté Trinker geworden, was die Argentinier ziemlich amüsiert, wenn sie einen Gringo mit Maté sehen. Maté, so scheint es mir, ist hier das Nationalgetränk und wird zu allen Tageszeiten getrunken. Es ist ein etwas bitterer Tee der in einem Gefäß serviert wird. Man tut die Teeblätter (Yerba) lose in das Gefäß (Maté) und gießt dann heißes Wasser auf. Man trinkt dann das Getränk (ebenfalls Maté, hat bei mir schon zu Verwirrung geführt) durch eine Art Strohhalm aus Metall (Bombilla). Man kann seinen Maté so mischen wie es einem gefällt, die wichtigste Komponente ist das Yerba, viele tun dann aber auch noch andere Sachen hinein, z.B. irgendwelche Gewürze, von denen ich die deutschen Namen nicht weiß, Orangenschalen, Zucker, Honig also eigentlich was man will.

Maté genießt hohe gesellschaftliche Anerkennung, denn man trinkt ihn immer in einer größeren Runde. Es gibt einen, der ihn serviert, zu dem der Maté immer zurückgeht und er verteilt es dann an die anderem, nachdem er neues Wasser aufgegossen hat.

Wenn dir jemand Maté anbietet, bedeutet das, dass er dich als seinen Freund akzeptiert und dich an der Gemeinschaft teilhaben lässt.

Naja genug vom Maté und zurück zum Thema:

Nachdem wir fertig waren und uns der Typ schon wieder entgegen kam, weil wir anscheinend zu lange pausiert haben, machten wir uns auf zum Abstieg, was gerade für Tina ziemlich schwer war, da sie sich schon einige Blasen gelaufen hatte. Ich hatte aber auch schon viele Druckstellen, wegen meinen neuen Schuhen, weshalb ich jetzt sehr dankbar für das Tempo war.

Unten angekommen ging gerade die Sonne unter, was sehr schön war. Auf der Rückfahrt konnten wir den Mond bestaunen, der nicht wie in Deutschland senkrecht steht, sondern nach oben geöffnet ist, also wie eine Schale. Der Sternenhimmel ist hier allgemein ganz anders und wunderschön. Von San Marcos aus kann man die Milchstraße bestaunen, weil es hier kaum störendes Licht gibt.

Abends entspannten wir uns in einer Kneipe in San Marcos und aßen endlich etwas (wir hatten viel zu wenig Proviant mitgenommen). Auf einmal hörten wir deutsche Stimmen und tatsächlich waren es zwei deutsche Backpacker, die es nach San Marcos verschlagen hatte. Frieder war ganz fasziniert, weil er meinte, er hätte das ganze Jahr keine deutschen Reisenden getroffen, also luden wir sie zu einem Bier ein.

Mich nervte ein bisschen diese typische Backpacker Aussage, am liebsten dahin, wo es am wenigsten touristisch ist und am meisten native Kultur vorherrscht. Ich finde diese Aussagen immer sehr widersprüchlich aber vorwerfen kann ich es den Leuten nicht, da es mir selbst ja auch oft so geht. Aber die Schönheit eines Ortes an den dort vorherrschenden Preisen zu definieren finde ich geht zu weit (Chile und Argentinien sind verhältnismäßig teuer).

Ich und Tina verabschiedeten uns recht schnell, da Tina sich ein wenig krank fühlte und ich die Frühschicht am nächsten Morgen vor meinen Augen sah. Im Hogar fiel ich ziemlich erschöpft, aber glücklich ins Bett.

Frieder und Tina auf dem Wanderweg

Frieder und Tina auf dem Wanderweg

Der Uritorco

Der Uritorco

Frieder und ich

Frieder und ich

Ich auf einem Vorsprung (na könnt ihrs erkennen?)

Ich auf einem Vorsprung (na könnt ihrs erkennen?)

Tina und ich

Tina und ich

Der Abstieg

Der Abstieg

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

Frieders Verabschiedung (Bericht im vorheriger Artikel)

Frieders Verabschiedung (Bericht im vorheriger Artikel)

Frieder beim Chakalera tanzen

Frieder beim Chakalera tanzen

Ich am Gitarre spielen

Ich am Gitarre spielen, im Hintergrund Derya

Nochmal ich mit der Gitarre

Nochmal ich mit der Gitarre