04.12.2010 – Die Ankunft
Nachdem ich nur zwei Stunden geschlafen hatte machte ich mich um 7:00 Uhr morgens auf zum Flughafen.
Am Terminal nach Calafate sah man schon Backpacker mit Trekkingschuhen bis zum abwinken.
Um 17:00 Uhr kam ich endlich im Hostel an, ein wunderschönes junges Hostel mit einer sehr schönen Aussicht auf den Lago Argentino.
In Calafate, dass mir aufgrund seiner sehr touristischen Art nicht gefiel, verbrachte ich den restlichen Tag damit, meine nächsten Tage zu planen und alles dafür zu besorgen.
05.12. – Perito Moreno Gletscher
Ich buchte die früheste Tour, da ich Abends noch den Bus nach El Chaltén bekommen wollte. Also ging es um 7:00 Uhr los in einem großen Bus.
Auf der Busfahrt sah ich zum ersten Mal die vielen beeindruckenden Gesichter Patagoniens. Die lange Ödnis, durchzogen von Flüssen und Seen. Alles sehr vom immerwährenden Wind gebeutelt. Im Hintergrund die Schneebedeckten Berge und auch das ständig wechselnde Wetter mit Ausnahme vom extrem starken Wind.
Bereits auf dem Weg eröffnete sich ein atemberaubendes Panorama, die Berge im Hintergrund, davor einer der Flüsse des Lagos, bewölkter Himmel, von der Sonne glitzerndes Wasser und ein riesiger Regenbogen, der das Bild perfektionierte.
Zwischendurch sah man kleine Eisberge durchs Wasser treiben.
Ich freundete mich schnell mit einer Gruppe Mexikanerinnen an, so machte die Tour mehr Spaß. Kurz vor dem Gletscher wechselten wir in ein Boot.

Südseite des Gletschers
Auf der anderen Seite ließen wir unsere Sachen im Refugio und stiefelten los. Ich konnte mich gar nicht genug satt sehen an den riesigen Zacken und den Eisgebilden des Gletschers. Zwischendurch knackte es immer laut und manchmal brachen riesige Brocken ab.
Der Perito Moreno Gletscher ist einer der wenigen wachsenden Gletscher weltweit. Alle paar Jahre passiert es, dass er sich verschiebt und den Fluss blockiert. Dann staut sich die Südseite des Sees so lange, bis der Gletscher dem Druck nicht mehr standhält und zersprengt.
Zu der Zeit in der ich da war, war der Fluss fast versperrt, lediglich ein kleiner Tunnel unter dem Eis sichert noch den Durchfluss des Wassers.
Beim Gletscher angekommen schnallten wir uns Spikes an und bestiegen den Gletscher, das hat mir besonders gut gefallen! Wir liefen durch kleine Eisschluchten, überall gab es es kleine Schmelzwasserbäche und die ganze Zeit liefen wir auf leicht blau schimmerndem Eis.
Der Wind war unglaublich, manchmal hat er mich fast umgeweht.
Der Wind entsteht im Pazifik und wird durch die Anden gebündelt, somit ist er in Patagonien besonders stark.
Etwas schade fand ich, dass mehr Fotos gemacht wurden, als wir liefen, aber so ist das nun mal.
Nach anderthalb Stunden gab es zum Abschluss Whiskey auf Gletschereis, danach Picknickten wir im Refugio.
Auf der Rückfahrt fuhr das Boot besonders dicht an den Gletscher, echt beeindruckend!
Zum Schluss fuhren wir noch zu den Aussichtsbrücken, von denen man die Nord. Und die Südseite des Gletschers sieht. Mich beeindruckte immer wieder die Ausmaße, soweit das Auge reicht nur Gletschereis!

Gletscher frontal
Zurück in Calafate nahm ich den nächsten Bus nach El Chaltén.
06.12. – Fitz Roy/Laguna de los Tres
Ich stand diesmal ein bisschen später auf, frühstückte gemütlich und bereitete mich auf meine Tour vor. Spontan entschloss ich mich dazu ein Taxi zu nehmen und die Route von oben herunter zu laufen, das hat den Vorteil, dass man nicht die viel bewanderte Strecke zweimal läuft und kaum auf andere Leute trifft – Ich traf zwei Stunden lang auf niemanden.
Als ich aus dem Taxi ausstieg sah ich bereits hinter einer Gebirgskette den Cerro Fitz Roy, wie er majestätisch alles andere überragt. Hinten in der Cordillerie sah ich einen Gletscher zwischen den Bergen hervorkommen.
Die erste Etappe war sehr ruhig und ging neben dem Fluss durch einen Wald. Zwischendurch hatte ich immer wieder wundervolle Ausblicke auf den näherkommenden Fitz Roy.

Glaciar Piedras Blancas; links der Fitz Roy
Nach gut zwei Stunden traf ich auf die ersten Wanderer und war erst ganz glücklich darüber. Das änderte sich jedoch schnell, sobald ich auf dem Hauptweg war, hier war ich alles andere als allein.
Die nächste Etappe war mit Abstand die anstrengendste, es ging eine Stunde lang steil hinauf zum Fuße des Fitz Roy. Nicht nur die steilen Felsen und die abbröckelnden Steine, sondern auch der extrem starke Wind machten das ganze ziemlich schwierig.
Oben angelangt eröffnete sich ein atemberaubender Blick auf den Cerro – mit das Schönste, was ich bisher gesehen habe. Zu seinem Fuß war der vereiste See und dahinter die schneebedeckten Berge.

Etwas weiter hinten sah man einen smaragdfarbenen See mit Gletscher.
Nach einer verdienten Pause machte ich mich auf den Rückweg nach El Chaltén. Eine recht angenehme, wenn auch sehr lange Strecke. Nach knapp 9 Stunden kam ich mit schmerzenden Füßen endlich im Hostel an.
07.12. – Cerro Torre/Laguna Torre
Recht früh machte ich mit Philipp, einem Deutschen der gerade promoviert hat, auf zur zweiten spektakulären Tour in Chaltén, zum Cerro Torre.
Recht früh sahen wir schon den beeindruckenden, extrem spitzen Berg. Das sollte leider der letzte Moment werden, wo wir ihn ohne Wolken sahen.

links: Cerro Torre; rechts: Cerro Fitz Roy
Der dreistündige Hinweg verging wie im Flug, es war kaum Steigung und wir hatten uns viel zu erzählen
Bei der Laguna angelangt wehte ein heftiger, eisiger Wind, der vom Gletscher am Fuße des Cerros kam.
Es war ein unglaublicher Anblick, aber es wäre bei wolkenlosem Himmel wohl wesentlich schöner gewesen.
Der Rückweg fiel mir aufgrund meiner jetzt heftig schmerzenden Blasen ziemlich schwer. Nach gut sechs Stunden kamen wir in Chaltén an. Ich nahm Abends den Bus zurück nach El Calafate.
08.12. – Puerto Natales
Ich nahm morgens den ersten Bus nach Puerto Natales in Chile. Die Fahrt dauerte ziemlich lange (6 Stunden), aufgrund der langwierigen Grenzprozedur. Am Grenzposten war es eisig und ich hatte aufgrund meiner jetzt blutenden Blasen, Flip Flops an.
Ich hatte mir viel vorgenommen, eine 5-tägige Wanderung im Nationalpark Torres del Paine. In Puerto Natales war jedoch erst mal Tiefpunkt. Ich war extrem kaputt, meine Beine schmerzten (50km in Chaltén gelaufen), geschweige denn meine Blasen und das Wetter war miserabel.
Alles in allem konnte ich mir nie vorstellen den 70km W-Trek in nächster Zeit zu absolvieren. Zum Glück war Omar, der Hostelinhaber richtig nett, unterstützte mich und gab mir viele Tipps.
Ich ging den Rest des Tages also sehr ruhig an.
09.12. – Jetzt wird’s Ernst
Ich startete den Morgen sehr sehr entspannt an und ruhte mich nur aus. Doch je näher der Nachmittag rückte, um so mehr wurde ich zu einer Entscheidung gedrängt, zwischen dem schwierigen W-Trek oder einem einfacheren Tagesaufenthalt.
So wie ich nun mal bin, entschied ich mich für Augen zu, Zähne zusammenbeißen, den Schmerz in den Füßen vergessen und rein ins Wandervergnügen.
Ich hatte schließlich schon vor zwei Jahren den Traum gehabt, die Torres zu sehen und ihn seitdem nicht vergessen.
Um 15:00 Uhr ging ich zu einer Infoveranstaltung über die Tour. Dort traf ich auf Dan, einen 27-jährigen Israeli, ich hatte in schon in Chaltén gesehen, und auf Robert, einen 26-jährigen Amerikaner, der in Mendoza ein Auslandssemester macht. Wir drei entschlossen uns dazu gemeinsam zu laufen.
Der Redner sprach ein extrem schnelles Englisch (Tagein Tagaus die selbe Veranstaltung), aber ich konnte ihm erstaunlich gut folgen.
So sank mein Mut noch mehr. Er erzählte vom extrem wechselhaften Wetter, Ozonsonne und heftigem Platzregen – Manchmal beides gleichzeitig, vom Wind mit teils 160 km/h der einen einfach mitweht, davon dass wir sowieso die ganze Zeit nass sein würden und zwar überall und letztendlich von der Strecke, der Steigung und den Schwierigkeiten.
Nach anderthalb Stunden war ich kurz davor klein beizugeben, aber entschieden ist entschieden.
Wir entschlossen uns dazu den Trek in vier statt fünf Tagen abzuschließen, eine Vier Stunden Strecke auszulassen und dafür am ersten Tag wesentlich mehr zu laufen. Vorteil, mehr Strecke ohne Gepäck, weniger Traglast und einen Tag gespart.
Den Rest des Tages verbrachten wir mit Planung, Ausrüstung mieten, Lebensmittel kaufen und alles vernünftig einzupacken.
Um kurz nach 24:00 Uhr waren wir endlich fertig und ich war so aufgeregt, dass ich kaum schlafen konnte.
10.12. – Glaciar Grey
Morgens um 7:00 Uhr fuhr der Bus in den Nationalpark los. Wir drei waren extrem gespannt und freuten uns richtig auf den Trek. Ich war noch etwas skeptisch, ob mir die Blasen Probleme bereiten würden.
Angekommen sahen wir zum ersten mal die unglaubliche Gebirgsformation, die uns die nächsten vier Tage begleiten würde.
Wir hatten eine Stunde Wartezeit beim Schiff, dass einen in den Nationalpark bringt.
Wir gingen einen 15min Weg zu einem recht großen Wasserfall. Das war der erste schöne Ausblick, der Wasserfall und im Hintergrund die wolkenverhangenen Berge.

Cuernos del Paine
Die Schifffahrt war eher weniger spektakulär.
Angekommen beim ersten Refugio ließen wir unsere Rucksäcke dort und liefen einen zwei Stunden Weg zu einem Aussichtspunkt.
Ich hatte leichte Probleme mit den Blasen, aber es ging. Der Weg war wunderschön und verlief durch kleine Wälder mit Ausblick auf die Berge. Nach einer Stunde kamen wir an den See des Gletschers. Er war smaragdgrün, in ihm spiegelten sich die riesigen verschneiten Berge. Man sah vereinzelte große Eisberge im Wasser schwimmen.
Der Weg ging die nächste Stunde entlang des Sees bis wir zum Aussichtspunkt kamen.

Glaciar Grey (links im See ist ein Großes Schiff, vielleicht erkennt ihrs...nur damit ihr euch die Größen vortellen könnt!)..
Ein atemberaubender Blick auf den riesigen Gletscher, der sich bis zum Horizont erstreckte. Das alles ist Teil des südpatagonischen Eisfeldes. Wir verweilten einen Augenblick und genossen die Aussicht, bevor wir die zwei Stunden zurückliefen.
Angekommen am Refugio nahmen wir unsere Rucksäcke und machten uns auf zur letzten Etappe des Tages, zum Campamento Italiano. Jetzt ging es hinein in die Berge, auf der linken Seite die hohen Felsformationen und auf der rechten Seite der Lago Pehoe.

Mit den Rucksäcken liefen wir extrem schnell und ohne Pausen. Nach zwei Stunden, um 20:30 Uhr kamen wir endlich an.
Wir bauten unser Zelt auf, kochten Nudeln und aßen zusammen mit drei Mädchen mit denen wir fast den ganzen Weg gelaufen sind.
Dann fielen wir erschöpft in unsere warmen Schlafsäcke und froren trotzdem die ganze Nacht. Es waren um die 0°C.
11.12. – Valle Francés
Am nächsten Tag frühstückten wir „lecker“ Haferflocken und ließen unser Zelt und die Rucksäcke am Campingplatz.
Wir machten uns auf Richtung Norden ins Valle Francés, ein Tal inmitten der hohen Berge.
Gleich zu Anfang sahen wir einen riesigen verschneiten Berg, von dem regelmäßig, mit einem lauten Donnern, Lawinen herunterkamen, zum Glück war er weit weg.
Der Weg ging drei Stunden lang nur bergauf entlang eines Flusses.
Wir verloren zweimal den Weg und krabbelten über Felsen und durch Gebüsch.
Am Ende wartete der Campamento Britanico auf uns, von hier aus ging es nochmal eine halbe Stunde steil bergauf bis zum Aussichtspunkt.
Hier hatte ich eines der unglaublichsten Panorama überhaupt. Ich wusste gar nicht wo ich ein Foto machen sollte, zu allen Seiten waren wundervolle Motive.
Überall steile riesige Berge, bizarre Formationen, klaffende Schluchten und wenn man zurück blickte sah man den blau glitzernden See von wo wir gestartet sind.
Alles in allem mit das Schönste was ich je gesehen habe! (Wie oft sag ich das hier eigentlich?!)


Es war allerdings sehr kalt oben und es wehte ein starker Wind, sodass wir uns recht schnell aufmachten, um den langen Rückweg hinter uns zu bringen. Bergab brauchten wir nur zweieinhalb Stunden anstatt dreieinhalb.
Angekommen am Campingplatz bauten wir das Zelt ab, packten unsere Sachen und machten zehn Minuten Pause, bisher die längste.
Danach ging es weitere zweieinhalb Stunden mitsamt Gepäck zum Campamento Los Cuernos. Hier wurden die Bäume etwas spärlicher, es ging entlang eines Sees und entlang der Cuernos del Paine, eine bizarre Gebirgsformation. Wir liefen wieder wie Maschinen und waren eine Stunde schneller als angegeben (dreieinhalb Stunden).

Wir hatten uns eigentlich vorgenommen im Refugio zu essen, doch die Preise nahmen uns jeglichen Appetit, etwa 20€ für einen Teller Reis mit Schweinefleisch. Wir hatten zum Glück etwas zu viel eingekauft, sodass es wieder Nudeln gab.
Der Campingplatz kostete etwa 9€, aber das war es uns wert, denn warme Duschen waren inklusive.
Es war einfach ein gutes Gefühl zu duschen nach zwei Tagen und 40km Strecke.
Abends gönnten wir uns eine Flasche Wein und saßen im warmen Refugio. Komischerweise schliefen wir alle drei extrem schlecht diese Nacht. Nach Dans Meinung waren wir nicht müde genug!
12.12. – Auf zu den Torres
Dieser Tag war mit Abstand der härteste, es galt 20km zu laufen mitsamt Gepäck und insgesamt 1000m Höhenunterschied zu bewältigen, es ging aber bergauf und bergab, sodass es wesentlich mehr waren. Das letzte Stück ging extrem steil bergauf.
Ich weiß nicht warum, aber wie gesagt, mit Rucksäcken laufen wir unglaublich schnell.
Wir machten die ganze Strecke bis zum Refugio Chileno ohne richtige Pause in fünfeinhalb Stunden (!), anstatt wie angegeben acht.
Dort legten wir dann 10min Pause ein und liefen dann direkt weiter zum Campamento los Torres, am Fuße der Torres del Paine. Für die Strecke brauchten wir etwa eine weitere Stunde.
Wir kamen viel viel früher als erwartet an, um 16:00 Uhr, geplant war um 19:00 Uhr. Völlig erschöpft bauten wir das Zelt auf und machten kurz Pause.
Da wir überhaupt nichts zu tun hatten entschlossen wir uns, trotz unserer Müdigkeit, diesen Tag schon rauf zu den Torres zu gehen, da der Himmel wolkenfrei war – ich weiß wir sind verrückt!
Für die Strecke war eine Stunde angegeben, es ging extrem steil bergauf, wir mussten Zeitweise auf allen vieren die Felsen heraufkrabbeln und nicht nur einmal hatte ich das Gefühl ich würde zusammenbrechen.
Nach nur 40min – Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, erreichten wir das Ende und wurden für unsere Mühen belohnt! Es war ein unglaublicher Anblick, die drei Torres, wie sie fast 2000m senkrecht in die Höhe ragten, am Fuße ein grüner See, es war wunderschön!

Wir ruhten uns gut eine Stunde mit dem Panorama aus, bevor wir uns an den Abstieg machten.
Unten angekommen machten wir uns die verdienten Nudeln und nie haben sie besser geschmeckt.
Völlig fertig fielen wir schon um 21:00 Uhr in einen tiefen Schlaf.
13.12. – Nochmal Torres
4:00 Uhr morgens, der Wecker klingelt, völlig verschlafen ziehen wir unsere stinky clothes an (ja wir hatten nur zwei Sets an Klamotten) und machten uns erneut auf den Weg zu den Torres. Wir wollten sie bei Sonnenaufgang sehen.
Völlig Schlaftrunken und im Dunkeln gehen wir nochmals den Weg, erstaunlich wie schnell sich der Körper erholt, diesmal brauchten wir trotz allem nur 30min.
Oben angekommen war es eisig, es schneite und der Wind sauste uns um die Ohren, aber wir hielten wacker durch.
Nach einer viertel Stunde begannen die Torres plötzlich golden zu strahlen, langsam verwandelte sich der Schatten in goldenen Glanz – ein unvergesslicher Moment!

Wir schafften es tapfer eine Stunde oben auszuhalten, doch dann mussten wir völlig durch gefroren runter.
Wir legten uns spontan wieder hin und schliefen weitere zwei Stunden.
Dann standen wir auf, packten alles zusammen und frühstückten ein letztes mal Haferflocken. Unsere Essensplanung ist perfekt aufgegangen.
Dann machten wir uns an den Abstieg, 10km in gut einer Stunde, ja wir sind langsam an das sehr schnelle Maschinentempo gewöhnt!

"Kurz" vor dem Ziel
Der Wind war den Tag so stark, dass ich einmal das Gefühl hatte ich würde von ihm hochgehoben.
Als wir das Ende sahen meinte Dan, dass man in der israelischen Armee das letzte Stück rennen müsse. Ich grinste und meinte auf geht’s! Und somit rannten wir mitsamt dem ganzen Gepäck los, von hinten Roberts verzweifelte Rufe „Warum rennen wir denn??“, er hatte unser Gespräch nicht mitbekommen. 500M bis zum Ziel – 200m – 100m – wir hatten es geschafft! Völlig fertig schmissen wir uns auf den Boden, grinsend und überglücklich. Wir hatten es geschafft, den gesamten W-Trek in nur vier Tagen. Eigentlich schade, denn ich hatte mich gerade so richtig ans laufen gewöhnt.
Jetzt ein für alle mal raus aus den stinky clothes und rein in die „sauberen“ Klamotten.
Vier Tage, drei Nächte, 70 Kilometer, ein zwei-Mann Zelt zu dritt, extrem kalte Nächte, kaum Platz zum schlafen, harter Boden, nur Nudeln, Haferflocken und Müsliriegel zu Essen, wechselhaftes Wetter und nur laufen, laufen, laufen.
Trotz allem vier der schönsten Tage meines Lebens. Ich habe noch nie so viel Schönes auf einmal gesehen, es hat einfach nur Spaß gemacht. Ich hätte keine besseren Laufpartner haben können, Robert hat immer die Stimmung aufgelockert durch seine typisch amerikanische Art und war immer für einen Spaß zu haben. Dan war erfahren, hat uns viele Tipps gegeben. Mit ihm hatte ich auch viele interessante Gespräche über das Verhältnis Israel – Deutschland.
Wir hatten soviel Glück mit dem Wetter, es hat nur einmal Nachts geregnet, es war einfach perfekt und wir waren uns einig, es hätte nicht besser sein können.
Auf der Busfahrt zurück fühlte ich mich großartig, ich hatte es geschafft, ich habe den W-Trek bewältigt und noch viel wichtiger, ich hatte mir meinen Traum erfüllt, ich habe gemacht was ich mir vorgenommen hatte. Ein unglaubliches Gefühl!
Zurück in Puerto Natales erledigten wir alles was noch anstand und gingen Abends so richtig gut Essen, nach vier Tagen Pasta.
Wir waren ein Team und zwar ein gutes, wir stießen auf unseren letzten gemeinsamen Abend an. Schade, dass wir alle in unterschiedliche Richtungen fuhren.
14.12. – Ushuaia
Nunja, nicht alle, Robert entschloss sich ebenfalls dazu mit nach Ushuaia zu fahren, sodass ich nicht alleine war.
Komischerweise fühlten wir uns beide morgens nicht gut, was sich auf der Busfahrt extrem verschlimmerte. Ich glaube das lag an der Essensumstellung, wir hatten vier Tage nur Kohlenhydrate zu uns genommen und extrem Energiereich gegessen.
Wir saßen beide gekrümmt auf den Sitzen, schliefen und warteten darauf, dass die Quälerei endlich vorbei ging. Das war bei zwölf Stunden ganz schön lange, a horrible day!
Einzige Lichtblicke,von der Fähre sah ich einen Orka im Wasser schwimmen.
Die extreme Landschaft Feuerlands war auch spannend. Der Norden war eine Wüste, nur kalt und windig sonst nichts. Der Süden war bergig und extrem schön.
Am Ende wartete Ushuaia auf uns, die südlichste Stadt, am Ende der Welt, in einer kleinen Bucht am glitzernden Beagle Kanal gelegen, umsäumt von schneebedeckten Gipfeln.

Ushuaia
15.12. – Ausruhtag
Von diesem Tag gibt es absolut nichts spannendes zu berichten, ich war wieder gesund und ruhte mich nach der ganzen Aufregung der letzten Tage aus.
16.12. – Beagle Kanal
Robert und ich entschlossen uns dazu eine Bootstour zu machen, um 10:00 Uhr ging´s los.
Es war ein sehr kleines Boot, wir waren sieben Passagiere und der junge Kapitän hörte argentinischen Rock.
Es war wundervoll über das blaue Wasser zu jagen und überall die hohen Ausläufe der Anden zu sehen. Ich konnte nicht anders ich musste einfach Lächeln, ich war am Ende der Welt, der letzte Ort vor der Antarktis!
Hier war Darwin mit der Beagle entlang gesegelt und hat die vielen Feuer der Ureinwohner gesehen, deswegen der Name Feuerland.
Als erstes steuerten wir einen Seehundfelsen an auf dem Seehunde und Kormorane lebten.

Danach ging es zur Leuchtturminsel, hier waren noch mehr Seehunde. Im Wasser sah ich zwei Pinguine schwimmen.
Weiter ging es zu einer Kormorankolonie. Danach gingen wir auf eine alte Yahganinsel, der Guide erzählte viel über die Kultur dieser ausgestorbenen Ureinwohner, es war sehr interessant.
Zurück nach Ushuaia ging es mit Beagle Bier in der Hand und mit viel guter Laune an Bord.
Nachmittags ging ich mit einem aus Andorra hoch zum Gletscher Martial. Der Gletscher war nicht mehr als ein kleiner Schneehaufen (ich war einfach zu verwöhnt), aber mehr als beeindruckend war die Aussicht auf Ushuaia und den Beagle Kanal.

Beagle Kanal
17.12. – Parque Nacional Tierra del Fuego
Nationalpark Feuerland – früh morgens nahm ich den Bus in den Park. Der erste Stopp war beim Tren del fin del mundo, dem Zug am Ende der Welt.
Beim zweiten Halt stieg ich aus und machte mich auf den Weg zur südlichsten Post der Welt (alles am Ende der Welt!…), hier gab es einen Stempel in den Reisepass mit der Aufschrift… Na ihr dürft raten, „Fin del Mundo“.
Ich lief weiter einen drei Stunden Weg die Küste entlang, es war sehr schön. Mit dem Salzwassergeruch in der Nase und gelegentlichen Schneefällen war es einfach traumhaft.

Leider hatte mich ein 20-jähriger deutschsprechender Franzose in Beschuss genommen und nervte mich ein wenig.
Es war zwar recht interessant, was er erzählte, ich war aber trotzdem heilfroh, als er dann einen anderen Weg nehmen wollte als ich.
Für mich ging es weiter durch ein Moorgebiet mit einer schwarzen Lagune, echt unheimlich. Zwischendurch sah ich Kormorane, Kaninchen und eine Anzahl mir unbekannter Vögel.
Später kam ich zu einem Biberdamm, echt spannend, leider habe ich keinen lebenden Biber gesehen.
Ich lief weiter bis zum Ende der Panamericana. Hier könnte ich 17.000km nördlich bis nach Alaska fahren, auf der gleichen Straße, ein komisches Gefühl!
Um 15:00 Uhr nahm ich den Bus zurück nach Ushuaia.
In Ushuaia gab es zum Abschied extra für mich und zusätzlich auch für 20 jähriges bestehen der Provinz Feuerland ein riesiges Reggae Konzert einer bekannten Band aus Buenos Aires.
Die Band war echt gut und ich hatte viel Spaß, bis dann plötzlich der gesamte Strom der Straße ausfiel… Argentinien! Nach einer halben Stunde in der Kälte hatte ich dann keine Lust mehr zu warten.
18.12 – Rückreise
Von diesem Tag gibt es nicht viel zu berichten, ich traf morgens die Band vom Vorabend am Flughafen und unterhielte mich lange mit ihnen, echt witzig.
Meine Flüge wurden komplett geändert, sodass ich insgesamt 10 Stunden in Buenos Aires am Flughafen warten musste und am Ende die Nacht in Cordoba verbrachte. Typisch Argentinien.
Insgesamt war die Reise, ich hasse es so etwas zu sagen, weil es etwas abgeschlossen einschließt und keine Steigerung zulässt, aber ich muss es einfach! Es war (mit) das Schönste was ich je erlebt habe und so besonders. Es waren definitiv (mit) die schönsten vierzehn Tage meines Lebens!