Mittlerweile vergeht die Zeit wie im Flug, ich habe kaum die Zeit gefunden diesen Blogeintrag zu schreiben, doch jetzt kommt er, einen Monat zu spät.
Jetzt fehlen nur noch zwei Monate bis zu meiner Rückkehr und ich zähle beinahe die Tage. Es ist nicht so, dass es mir hier nicht mehr gefällt, oder dass ich Heimweh habe, sondern ich freue mich so langsam wieder richtig auf Zuhause.
Als ich meine Mutter verabschiedet habe war ich neidisch, ich würde auch gerne einfach in einen Flieger steigen und wieder in gewohnter Umgebung sein… was solls, es fehlt wirklich nicht mehr viel und auch diese Zeit werde ich noch genießen!
Generell vergeht jeder Tag so schnell wie der andere und sie ähneln sich alle. Es ist nun wirklich Alltag, aber die Arbeitssituation hat sich erheblich verbessert, wir verstehen uns wieder gut mit unseren Mitarbeitern und wir treffen uns regelmäßig um über die Arbeit zu reflektieren.
Aber nun zum eigentlichen Blogeintrag, nämlich Urlaub!
Endlich war es wieder so weit und ich habe meine dritte Woche Urlaub genommen. Diesmal ging es in den Nordosten Argentiniens, in den Urwald.
Direkt beim Dreiländereck Argentinien, Brasilien und Paraguay sind durch einen abrupten Höhenunterschied eins der spektakulärsten Sehenswürdigkeiten Südamerikas entstanden, die Iguazú Fälle. Dieses Ereignis wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und ab ging es mit meiner Mutter in den 24 Stunden Bus in Richtung Tropen!
Bereits die Busfahrt war ein Ereignis für sich, wir hatten das Glück vorne zu sitzen, sodass wir zuerst die flache langweilige und abwechslungslose Landschaft bestaunen konnten. Nachts zog ein Gewitter auf und der Doppeldeckerbus raste mit 120 km/h die kleine Straße voller Wasser entlang. Auf beiden Seiten schlugen Blitze ein und jedes mal, wenn ein Auto vorbei fuhr hatte ich Angst, bei einem Zusammenstoß aus dem Fenster zu fliegen. Mir geisterte noch die Geschichte eines anderen Freiwilligen durch den Kopf, bei der eine Frau vorne aus einem Bus in Bolivien flog. Sie war sofort Tod.
Als es dann auch noch begann von der Decke zu tropfen reichte es uns und wir setzten uns weiter nach hinten, der Bus war zum Glück nicht sehr voll.
Am nächsten Tag wachte ich auf und es war auf einmal alles farbig, grün die vielen Bäume, rot die Erde und tiefblau das Wasser der etlichen Flüsse. Ich war erstaunt, ich wusste zwar, dass es hier Urwald ist, aber so verwildert hatte ich es mir nun wirklich nicht vorgestellt.
Angekommen in Puerto Iguazu, der argentinischen Stadt, die zu den Wasserfällen gehört und scheinbar nur vom Tourismus zu leben schien, war erst einmal schlechtes Wetter. Wir gingen unseren ersten Tag ruhig an und guckten uns eine Tierpflege Station an, wo kranke Tiere aus dem Urwald wieder gesund gepflegt werden.
Am nächsten Tag war es endlich soweit, wir wollten nun auch endlich die Wasserfälle sehen! Wir entschieden uns zuerst für die brasilianische Seite. Nach der Grenzprozedur und einem Stempel mehr im Reisepass ging es weiter in die Stadt Foz do Iguazu und von dort aus endlich in den Nationalpark.
Zuerst ging es in einen Touristenbus mit dazu passenden Dschungelgeräuschen aus den Lautsprechern, in Richtung Wasserfälle.
Als wir die ersten Coaties sahen waren wir noch begeistert, das sind kleine Tiere die dort überall herumlaufen, wo die Besucher sind und versuchen Essen zu erhaschen. Leider weiß ich den deutschen Namen für diese putzigen Viecher nicht mehr.

Coatie
Als wir das erste mal die Ausläufer der Wasserfälle sahen waren wir begeistert von dem Spektakel. Wir unterhielten uns, natürlich auf Deutsch. Auf einmal fragte uns einer in meinem Alter, auch auf Deutsch, ob wir nicht ein Foto von ihm machen könnten, es stellte sich heraus, dass er ebenfalls Weltwärtsfreiwilliger in Bolivien ist. Von da an hatten wir sehr viel zu bereden, verglichen unsere Projekte und Erfahrungen. Es gesellte sich dann noch eine vierte Deutsche zu uns, die in Brasilia ein Auslandssemester macht. Sie war, so wie wir, ein bisschen enttäuscht von den Wasserfällen und meinte, sie würde nochmal wiederkommen, wenn es Regenzeit ist.

Der erste Blick auf die Wasserfälle
Wir gingen den Weg weiter und irgendwann blieb uns allen der Mund offen stehen. Wir sahen die eigentlichen Wasserfälle und konnten direkt in die Garganta del Diablo hineinsehen, ein riesiger Hexenkessel in dem das Wasser nur so herunterstürzt. Franziska, die Studentin sagte: „Ok, jetzt brauch ich doch nichtmehr wieder zu kommen!“

Auf dem Steg
Es gab einen Steg, der direkt in die Garganta hinein führte und von dem aus man die Wasserfälle von vorne fotografieren konnte. Hier war es einfach nur spektakulär, auf der rechten Seite viel das Wasser eine weitere Kante herunter und auf der linken türmte sich der riesige Wasserfall! Überall war es nass und es war schlimmer als wenn es regnen würde, das aufgewirbelte Wasser ließ einen bis auf die Knochen durchweichen. Auf der anderen Seite des Flusses sah man die argentinischen Besucher wie Ameisen und oben einen spektakulären Steg, direkt über der dem riesigen Wasserfall, ich freute mich schon auf den nächsten Tag, wenn wir dort oben stehen würden.
Das war dann auch schon die brasilianische Seite der Wasserfälle, zufrieden fuhren wir zurück ins Hostel und guckten uns Abends noch den Grenzstein der argentinischen Seite an, von dem aus man Paraguay und Brasilien sehen konnte.
Am nächsten Tag war strahlender Sonnenschein und wir fuhren, diesmal ohne Grenzprozedur, zu dem argentinischen Nationalpark. Wir entschieden uns zuerst einen kleinen Weg durch den Dschungel zu laufen, den kaum ein Besucher läuft, da man dort viele Tiere sehen kann. In der tat sahen wir viele Vögel, Schmetterlinge, eine giftig aussehende Spinne, die ihr Netz netterweise direkt auf dem Weg gespannt hatte, auf dem Boden eine Tarantel und wieder viele Coaties die durch den dichten Dschungel von Baum zu Baum kletterten. Zum Abschluss wartete ein kleiner im Vergleich unspektakulärer Wasserfall.
Weiter ging es auf den eigentlichen Wegen, diesmal konnte man von Anfang an in die Garganta gucken.

Garganta del Diablo
Die Wege führten an den etlichen Wasserfällen vorbei, die sich den Fluss entlang ziehen, aber auch sehr spektakulär sind. Überall konnte man Regenbogen sehen hervorgerufen durch das Spritzwasser der Fälle.

Eines der vielen Postkartenmotive
So langsam waren wir genervt von den Coaties und einen endgültigen Hass entwickelte ich, als sie meiner Mutter aus ihrem Rucksack blitzschnell eine Mandarine stahlen, Ein sehr witziger Moment, eigentlich hätte ich ihnen dankbar sein sollen, wenn es nicht meine Mandarine gewesen wäre!
Später sahen wir in einem Restaurant extra Angestellte, die nur dafür da waren um die Coaties mit feuchten Lappen zu schlagen, damit sie die Besucher nicht stören. Für mich in dem Moment mein Traumberuf!
Genau in dem Mandarinenmoment stand Simon, der Freiwillige aus la Paz plötzlich hinter uns und begrüßte uns. Ich freute mich wirklich ihn zu sehen und von da an sahen wir uns auch die argentinische Seite gemeinsam an.
Weiter ging es mit einem Boot auf eine Insel von wo man Aussicht auf einen weiteren spektakulären Hexenkessel hatte. Einige bezahlten auch noch Geld dafür um sich mit Booten unter die Wasserfälle fahren zu lassen und nass zu werden. Wir gehörten nicht dazu!
Zum Abschluss fuhren wir mit dem Zug zur Garganta del Diablo, endlich! Ich konnte es kaum erwarten zum Abschluss laut Reiseführer „einen der spektakulärsten Orte dieser Welt“ zu sehen. Es ging einen 1km langen Steg über den breiten Fluss entlang. Bereits 100m vorher hörte man es schon donnern und ich sah, wie plötzlich das Wasser abbrach.
Mir pochte mein Herz und ich konnte es kaum erwarten. Dann endlich waren wir da, der Reiseführer hatte recht, es war unglaublich.
Die Augen verloren sich in den Wassermassen, die nach unten stürzten, anstelle des Grund sah man 100m tief in Wasserdampf. Donnernd stürzten tausende Liter von Wasser herab, alles gezeichnet von einem wunderschönen Regenbogen den die tiefstehende Sonne hervorzauberte. Ich konnte meinen Blick nicht davon abwenden. Man sagt ja, dass es bei großen Höhen einen nach unten zieht, irgendwie hatte ich genau in diesem Moment dieses Gefühl ich wollte dem Wasser folgen, dass unaufhörlich, jede Sekunde, jede Stunde und jeden Tag dort herab stürzte.

Die Garganta von oben
Nach einer halben Stunde hatten wir genug gesehen und machten uns auf den Weg zurück. Es war ein absolut schöner Tag und er wird mir lange im Gedächtnis bleiben.
Wir hatten uns spontan dazu entschieden nach Rio de Janeiro zu fliegen, wir hatten halbwegs günstige Flüge gefunden und soweit war es von dort dann auch nicht mehr.
Wir fuhren also am nächsten Tag wieder auf die brasilianische Seite, Juhu ein weiterer Stempel!
Wir besichtigten Vormittags den Itaipú-Damm, er war lange der größte Staudamm der Welt, bis ihn der Staudamm in China ablöste, nun belegt er Platz zwei.
Ich fand alleine die Fakten beeindruckend, er deckt 100% der Energieversorgung Paraguays und 25% der brasilianischen! Das Bauwerk war auch sehr beeindruckend, allein der riesige Stausee war den Besuch wert!
Nachmittags stiegen wir dann in den Flieger und ab ging es in die Stadt des Sambas, Karnevals, Capoera und des Fußballs!
Wir landeten Abends und es regnete in strömen. Nach zwei Stunden kamen wir vollkommen durchnässt im Hostel an, fünf Blöcke entfernt von der Copacabana.
Am nächsten Tag war das Wetter viel besser und wir gingen zuerst an den Strand! Endlich wieder Sonne, Strand und Meer und das an einem der berühmtesten Strände der Welt.
Nach einiger Zeit gingen wir in die Innenstadt und besichtigten Rio. Von fast überall konnte man die riesige Christstatue die Stadt überragen sehen und wir erhaschten auch viele Blicke auf den Zuckerhut, ein charakteristischer Berg Rios.

Der Zuckerhut
Die Stadt gefiel uns beiden sehr gut, es war einfach schön und wirklich so, wie man es sich vorstellt! Überall sind die Leute nett, auch wenn man kein Portugiesisch kann, Englisch kann zwar auch keiner, aber man hat ja noch Hände und Füße!
Am nächsten Tag machten wir eine klassische Touristentour, bei der man alle Sehenswürdigkeiten Rios abklappert, das aber zu viert, einschließlich Führer in einem Van mit Samba, Bossanova und anderer typischer Rio Musik. Zuerst ging es zum Christus herauf, der wirklich groß war! An seinem Fuße fühlte ich mich extrem klein, obwohl ich doch eigentlich immer der Größte bin. Von hier oben hatte man auch einen wundervollen Blick über die Stadt und man konnte auch die vielen Favelas, die etlichen Ghettos Rios sehen. Das alles mit vielen Insiderinfos. Es gibt insgesamt über 100 dieser Favelas und nur ungefähr die Hälfte hat die Regierung mittels Militär unter Kontrolle, in den anderen regieren die Drogenbarone. Ich kann dazu nur den Film „City of God“ empfehlen, der genau dieses Thema behandelt.
Weiter ging es durch das Künstlerviertel und später nach Lappa, den angesagten und alternativen Teil Rios. Dort gibt es eine riesige Treppe, die ein Künstler nur aus Mosaiken machte. Unser Führer kannte ihn persönlich und er machte ein Foto mit uns, echt verrückt der Kerl! Er hat ursprünglich die Treppe angefangen, um einen ansprechenden Ort zu erschaffen, an dem er seine Bilder verkaufen kann, nun ist die Treppe weltberühmt, seine Bilder kauft aber trotzdem niemand, tja blöd gelaufen…

Der verrückte Künstler und seine Treppe
Zum Abschluss fuhren wir per Seilbahn auf den Zuckerhut, oben angekommen hatten wir schon wieder einen wunderschönen Blick über die Stadt bei Abenddämmerung, diesmal von der anderen Seite. Der Jesus erstrahlte in den unterschiedlichsten Farben und wir sahen die Sonne hinter den Bergen untergehen. Auch die Copacabana konnten wir von hier oben sehen. Bereits jetzt war mir klar, dass Rio eine der schönsten Städte ist, die ich bisher gesehen habe.
Unseren letzten Tag verbrachten wir nur am Strand, zuerst an der Copacabana, dann in Ipanema, einem anderen, meiner Meinung nach noch schöneren Strand. Es war unglaublich endlich mal wieder ins Meer zu gehen und das auch noch bei der unglaublichen Kulisse!

Ipanema Beach
Abends hatten wir uns vorgenommen Party zu machen, es war schließlich Freitag und man kann nicht in Rio gewesen sein, ohne etwas von dem verrückten Nachtleben mitzunehmen. Gründe genug hatten wir und auch alle anderen aus dem Hostel waren begeistert von der Idee nach Lappa zu fahren.
Im Reiseführer steht, dass dort jeden Freitag eine riesige Straßenparty steigt und alle auf den Straßen tanzen. Ich konnte es mir schwer vorstellen, aber angekommen klappte mir fast die Kinnlade runter. Das gesamte Viertel war abgesperrt, die Straßen zum brechen voll, überall erschallte unterschiedliche Musik und an etlichen Ständen wurde köstlicher Caipirinha verkauft.
Unter einer Brücke wurde Samba getanzt, in einer Seitenstraße trat eine Reggeaband auf, und auch Elektro durfte nicht fehlen! Insgesamt war es einfach unglaublich, fast so wie Stadtfest in Oldenburg, nur noch besser und das auch noch jeden Freitag. Ich war wirklich traurig schon am nächsten Tag diese wundervolle Stadt zurückzulassen.
Als ich im Flieger einen letzten Blick auf den Zuckerhut warf, schwor ich mir eines Tages zurückzukehren, Rio de Janeiro!