Die ersten Tage, Ankunft in Uyuni:
Freitag 22.07.11 – Montag 25.07.11
Die Reise von Cordoba bis nach „La Quiaca“ verlief wenig spektakulär, erst auf den letzten Kilometern, wo es hoch aufs Altiplano ging wurde es spannend.
In La Quiaca fühlte ich mich gar nicht mehr in Argentinien, die ganzen nativen Einwohner mit ihrer eigenen Kleidung und auch die Stadt wirkte eher bolivianisch, als argentinisch.
Wir gingen direkt ins Hostel und blieben dort völlig geschafft von der 27 Stunden Busfahrt.
Am nächsten Morgen standen wir sehr früh auf und liefen zur Grenze. Es war eiskalt und windig, der Grenzfluss war zugefroren. Ausreisestempel, Einreisestempel und schon waren wir in Bolivien!
Als erstes gingen wir Geld abheben, Tobi schob seine Kreditkarte hinein und das war dann auch das letzte mal, dass wir sie sahen – Automat defekt!
Also Kreditkarte sperren, Geld in teurer Wechselstube wechseln und schnell zum Terminal das Busticket kaufen – toller erster Eindruck von Bolivien, die Laune ließen wir uns trotzdem nicht verderben.
Ein bisschen Glück im Unglück, wir ergatterten die letzten zwei Plätze nach Uyuni.
Da kam auch schon der Bus, ein extrem altes Modell, praktisch unser Toto. Drinnen war ich froh vertraute Stimmen zu hören, hinter uns saßen Argentinier, Bolivien war tatsächlich eine andere Welt.
Schon ging es los, das gehuckel und geruckel, der Bus fuhr mit einer für ihn zu hohen Geschwindigkeit über die noch guten Straßen, wir wurden trotzdem durchgeschüttelt.
Ab Tupiza hatten die Straßen dann San Marcos’ Qualität und zu allem Überfluss führte die Straße direkt über die Anden.
Die Aussicht war beeindruckend, meine Angst auch, denn die Geschwindigkeit änderte sich nicht, es ging stetig aufwärts und neben der Straße klafften Abgründe mit unbeschreiblicher Tiefe.
Vor jeder Kurve hupte der Bus, anstatt seine Geschwindigkeit zu drosseln.
Auf den Berghängen konnten wir bereits die ersten Lamas sehen. So schlimm die Busfahrt auch war, es war gleichzeitig unglaublich beeindruckend.
Nach gut sieben Stunden kamen wir durchgeschüttelt, aber heile in Uyuni an. Ich hatte die schlimmste und zugleich spannendste Busfahrt meines bisherigen Lebens hinter mir!
In Uyuni dann die Nachricht, die 3-Tages Tour durch den Salzsee sei nicht möglich, der Nationalpark sei zu geschneit, es gehe nur die 2-Tages Tour.
Wir entschieden uns dazu noch einen Tag in Uyuni zu bleiben, alles entspannt anzugehen und am Dienstag die Tour zu beginnen.
Montag entspannten wir, kauften warme Lamaklamotten und lernten Uyuni kennen.
Salar de Uyuni:
Dienstag 26.07. – Mittwoch 27.07.11
Nachdem wir uns erneut aufgrund der Höhe sehr früh schlafen gelegt hatten, standen wir morgens fit für die 2-Tages Jeep Tour auf.
Wir frühstückten in einem Café, Tobi hing sein Handtuch über einen Stuhl zum trocknen, plötzlich kam eine kleine Rotznase an, also eine wirkliche Rotznase und biss mit seinem verschnodderten Gesicht einfach so in das Handtuch. Tobis Gesicht verzog sich vor ekel, ich konnte mich nichtmehr halten vor Lachen – der Beste Moment des Tages!
Die Tour ging los, wir bekamen den gammeligsten Jeep, aber den coolsten Führer!
Wir waren im Pärchenjeep, zwei Engländer und zwei Niederländer, waren alle sehr nett!
Als ersten Stopp ging es zu einem Zugfriedhof, mitten in der Hochplateau Ödnis standen lauter verrostete Loks.
Weiter ging es, plötzlich war alles weiß, wir waren nun am weltgrößten Salzsee angelangt. Die Sonne brannte, alles wurde vom schneeweißen Salz reflektiert und die hohen Gipfel spiegelten sich im Wasser, welches vom letzten Regen übrig geblieben war. Bereits der allererste Eindruck war unglaublich.
Der Salzsee
Unser erster großer Halt war in der Mitte des ausgetrockneten Sees, bei der „Isla del Pescado“. Auf dieser wuchsen bis zu 12m hohe Kakteen, in Massen! Es war ein irrealer Ort in der sonst weißen, der Antarktis gleichenden, Salzwüste.
Isla del pescado
Zu Mittag aßen wir Lamasteak, sehr lecker und saftig. Danach erkundigten wir die Insel mit wunderschönen Ausblicken auf die weiße Wüste und den sich spiegelnden Bergen.
Am Ende guckten wir uns den Sonnenuntergang im Salar an, es war wunderschön mit dem rötlichen Licht, welches man gleichzeitig auf dem Boden sehen konnte. Im See sah man eine zweite, gespiegelte Sonne mit gleicher Intensität!
Doppelte Sonne
Wir übernachteten in einem Hotel aus Salz am Rande der Salzwüste.
Nachts wurde es extrem kalt und ich schlief miserabel, obwohl es bei uns in San Marcos oft kälter war.
Der nächste Tag bestand fast nur aus Fahrerei und war wenig spektakulär, das Beste war eine schwarze Lagune mit rauchendem Vulkan im Hintergrund. Der See war schwarz aufgrund der Lava und komplett vereist.
Die Lagune
Wir nahmen Nachts den Zug nach „Oruro“ um von dort aus am nächsten Morgen nach „La Paz“ zu fahren.
La Pa, La Pa, (boludo), La Paz:
Donnerstag 28.07.11
Die Kälte schwindet, Licht kitzelt meine Augen, ich wache auf „llegamos a Oruro (boludo)!“ Wir steigen aus dem Zug, suchen uns ein Taxi zum Terminal, wo wir den nächsten Bus nach La Paz nehmen.
Hinter uns sitzt ein anderer deutscher Freiwilliger, Tobi und ich stufen ihn schnell als unsympathisch, dämlich und zu alternativ ein, also lieber schlafen!
Das was ich an Bolivien so liebe ist der große indigene Einfluss. Überall auf der Straße sieht man Native mit alten Trachten – Hüte und Kleider.
Die Besiedlung nimmt zu, wir kommen in „El Alto“ an, die hohe Vorstadt von La Paz.
Der Blick in das Tal ist atemberaubend, überall sieht man braune Häuser, die sich den Hügel heraufschlängeln, das ganze wird vom verschneiten 6000er Gipfel überragt.
La Paz
Wir kommen an, nehmen ein Taxi zum Hostel. Ich bekomme Angst, denn der Taxifahrer ist mir sehr suspekt, zusammen mit den Geschichten über Bolivien sitze ich krampfhaft vorne. Zum Glück erreichen wir heile unser Ziel.
Wir gehen sofort los um die Stadt zu erkunden. Zuerst gehen wir zum Hauptplatz, hier ist der Regierungssitz Boliviens, von Evo dem Guten. Weiter geht’s in die Fußgängerzone, wir essen für 8 Bolivianos (80cent!) ein Mittagessen. Hier drängelten sich alle vor, bis ein Kellner netterweise für die zwei Gringos einen Tisch freihielt.
Wieder draußen wurde ich auf der Straße von einem Bolivianer auf Deutsch angesprochen: „Haben Sie eine Zigarette?“, er wollte keine, es war das einzige, was er auf Deutsch konnte.
La Paz kam mir zu Anfang merkwürdig vor, es war nicht mehr ganz so wie der Rest Boliviens, aber auch noch keine moderne Stadt. Es gab zwar überall Werbung, aber z.B. keine Supermärkte, oder bekannte Ketten. In La Paz waren generell, im Gegensatz zum Rest des Landes, nicht viele native, die meisten waren Mestizen.
Tobi und ich gingen schließlich Abends erschöpft zurück ins Hostel.
(Lachanfall für Tobi und mich, in Bolivien benutzt man das Wort „coger“ für „nehmen“. In Argentinien bedeutet eben dieses Wort soviel wie umgangssprachlich „vögeln“! Wir sollten also nach unserem Sprachverständnis „Entweder die eine Tour vögeln oder vielleicht wäre es besser wenn wir doch einen anderen Reiseveranstalter vögeln!“)
„The world most dangerous Road“ – I survived the „Death Road“!:
Freitag 29.07.11
Früh morgens, ohne Frühstück geht es los auf 4800 Höhenmeter mit dem Bus nach „La Cumbre“.
Wir haben Glück und sind in einer spanischsprachigen Gruppe: Pepe, ein aufgeweckter Spanier, Manon eine Holländerin, die in Buenos Aires studiert und ein brasilianisches Paar, die des Spanisch mächtig sind.
Oben angelangt sind wir dem verschneiten Gipfel wesentlich näher an einem schönen vereisten See. Es weht ein eisiger Wind und es ist klirrend kalt. Der Guide gibt uns unsere Ausrüstung und wir steigen auf die Bikes.
Die Straße geht insgesamt 3500 Meter herunter bis auf 1300 Meter über 69 Kilometern und zieht sich durch fast alle Klimazonen Südamerikas – vom Andenhochplateau in die Yungas (Dschungel). Wir wollen die so genannte gefährlichste Straße der Welt mit dem Mountainbike herunterfahren.
Die erste Strecke ist asphaltiert und führt entlang der trockenen Landschaft. Auf der einen Seite die verschneiten Berge, auf der anderen der klaffende Abgrund! Die Sonne scheint, dazu der kühle Fahrtwind und das Adrenalin der Geschwindigkeit auf der steil bergab gehenden Straße.
Die Aussicht ist unglaublich bizarr und schön, doch ich habe kaum Zeit sie zu genießen. Stattdessen konzentriere ich mich auf die Straße und gebe mich der Fahrt hin.
Die erste Etappe
Es macht tatsächlich unglaublichen Spaß, zusammen mit den wunderschönen Ausblicken ist es einfach perfekt!
Nach anderthalb Stunden halten wir und frühstücken. Hier ist es schon viel wärmer und es wachsen bereits einige Bäume. Wir laden die Bikes auf den Bus und fahren weiter bis zum eigentlichen „Camino de la Muerte“, heutzutage wird die Straße fast nur noch von Touristen auf Mountainbikes befahren, da vor vier Jahren eine Umgehungsstraße gebaut wurde, auf der nun die Autos fahren. Damals war die Straße tatsächlich unglaublich gefährlich, jeder hundertste starb, insgesamt beläuft sich die Zahl der Todesopfer auf über 5000! Das lag zum einen daran, dass es keine Absperrungen gibt und es einige hundert Meter neben der schmalen Straße steil bergab geht und zum anderen daran, dass die meisten betrunken und mit einer unglaublichen Geschwindigkeit gefahren sind.
Die Zahl der Toten auf Mountainbikes beläuft sich auf (nur) 26, ungefährlich ist die Straße nicht, aber wenn man aufpasst, passiert den meisten nichts.
Die Death Road ist nicht geteert und besteht nur aus Sand und Steinen. Erneut steigen wir auf die Bikes und beginnen die eigentliche Tour.
Plötzlich sind wir auf der gefährlichen Straße, wir sind über den Wolken.
Links von mir fällt die Straße im 90° Winkel steil ins unendliche, ich sehe in Wolken hinein und kann den Boden nicht sehen.
Ein irrealer Ort, der nicht von dieser Welt ist und ich fahre diese berüchtigte schmale Straße über Sand und Stein herab.
Camino de la Muerte
Ich fahre vorsichtig, aber zügig, mit dem Gedanken, dass ein kleiner Fehler mich das Leben kosten könnte. Ein Panorama toppt das nächste und wir halten regelmäßig an, um Fotos zu machen. An vielen Stellen der Straße stehen Kreuze, welche die Stellen markieren, an denen Menschen abgestürzt sind. Ich fühle mich immer sicherer auf dem Rad und traue mich schneller zu fahren, werde aber nicht übermütig.
Nach gut drei Stunden Fahrt erreichen wir die Yungas, hier ist es nun sehr heiß, ab jetzt geht es nicht mehr ganz so steil herab und die Straße ist wesentlich breiter. Hier gebe ich nun richtig Tempo und genieße die Geschwindigkeit auf den letzten Kilometern.
Und endlich sind wir am Ziel, „I survived the Death Road“, steht es auf dem T-shirt geschrieben das wir bekommen.
Wir gönnen uns ein Bier, fahren in ein Hotel mit Mittagsbuffet und springen in den Pool, das Wetter ist herrlich! Unfassbar, ich bin an einem Tag vom Winter in den Sommer gefahren und das mit dem Rad…
Auf dem Rückweg nehmen wir die geteerte, neuere Straße, auch hier eröffnen sich uns unglaubliche Ausblicke!
Abends um 8:00 Uhr kommen wir dann im Hostel an und ziehen direkt Abends los mit Pepe und Manon.
„Te comen con los Ojos!“:
Samstag 30.07.11
Wir stehen „bereits“ um 11:00Uhr auf, da wir schließlich noch etwas von La Paz sehen wollen. Zusammen mit Pepe machen wir uns auf in Richtung Markt.
Alle drei sind wir etwas fertig und streifen entspannt durch die Straßen.
Auf der Hauptstraße findet über den ganzen Tag ein fest statt. Es ist in La Paz Semesterbeginn, das bedeutet, dass alle Studenten am Tanz teilnehmen. Es ist eine riesige Parade , tausende tanzen in unterschiedlichen Gruppen und Trachten über mehrere Kilometer! Fasziniert schauen wir uns das Spektakel eine Weile an. Dann gehen wir weiter auf den berühmten Hexenmarkt, hier verkaufen native alte Frauen alles mögliche an Kräutern, Talismanen usw. am meisten fallen mir die getrockneten Lama Embryonen auf. Wir gehen weiter auf den Kleidermarkt (in Bolivien gibt es keine Supermärkte oder Kaufhäuser), hier deckt sich Tobi ein, ich finde nichts in meiner Größe…
Zu Mittag essen wir das typische Mittagsmenu für extrem wenig Geld. Am Nachbartisch sitzt eine Gruppe sehr betrunkener Bolivianer, echt heftig um diese Uhrzeit.
Nach dem Essen geht Pepe zurück zum Hostel eine Siesta halten, wir wollen uns mit Robert treffen, einem Freiwilligen in La Paz und ehemaliger Jahrgangskollege von Tobi. Wir verabreden uns mit ihm und seiner Freundin am Obelisken (Ja auch in La Paz gibt es einen, wie in Buenos Aires!).
Zu viert streifen wir über die riesige Parade, unterhalten uns und sehen uns die vielen Tänze an.
Carla, die Freundin Roberts amüsiert sich, wie Tobi und ich von den Bolivianerinnen, aufgrund unserer Größe, angestarrt werden. „Sie gucken dich nicht nur an sie verschlingen dich mit den Augen!“, sagt sie uns auf Spanisch. Tobi wird kurzerhand nach einem Foto gefragt: „Für eine Erinnerung mit dem Gringo!“
Nachdem wir einen Kaffee trinken waren, versuchen wir wieder die jetzt völlig überfüllte Hauptstraße zu überqueren. Wir warten über eine Stunde und werden angeguckt. Uns spricht ein sehr betrunkener Bolivianer an, ich tue so als könnte ich kein Spanisch und wir alle haben unseren Spaß!
Endlich schaffen wir es herüber, verabschieden uns von Robert und gehen zurück zum Hostel. Abends treffen wir uns mit Simon, einem anderen Freiwilligen in La Paz, den ich auf meiner Reise nach Iguazú kennen gelernt hatte. Mit ihm und ein paar anderen Freiwilligen ziehen wir wieder los.
Reisetag:
Sonntag 31.07.11
Wir stehen wieder gegen 11:00 Uhr auf und verabschieden uns von Pepe.
Wir versuchen so schnell wie möglich einen Bus nach Copacabana zum Titicacasee zu bekommen. Wir brauchen Ewigkeiten um aus La Paz herauszukommen, denn ganz El Alto ist verstopft. Ich bin beeindruckt von den Menschenmassen auf den Märkten und insbesondere von den nativen in ihren Trachten. Das hier ist echt eine andere Welt, aber auf positive Weise!
Ein letzter Blick auf das Tal in La Paz. Diese riesige Stadt, so hoch gelegen, mit den vielen Häusern und den schneebedeckten Bergen, ich habe sie nach so kurzer Zeit in mein Herz geschlossen, Ich habe Bolivien lieben gelernt! Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich hier so tolle Tage erleben konnte!
Nach gut drei Stunden Fahrt kommen wir am Titicacasee an, ein wunderschöner Ort, das blau glitzernde Wasser, die weißen Berge und der Geruch nach Salz in der Luft (der Titicacasee hat einen sehr hohen Salzgehalt).
Auch Copacabana gefällt mir richtig gut. Es ist zwar sehr touristisch, aber auch idyllisch und schön. Nachmittags gucken wir uns den riesigen weißen Dom an, der zum Zeichen gegen die starke Religion der Ureinwohner gebaut wurde. Abends essen wir Trucha (Forelle glaube ich) aus dem Titicacasee.
Isla del Sol, Sonneninsel:
Montag 01.08.11
Der Titicacasee ist tatsächlich sehr schön. Am frühen morgen steht die Sonne tief und lässt das Wasser golden glitzern. Wir nehmen die erste Fähre zur Isla del sol, die heilige Inkainsel. Im Norden steigen wir aus und beginnen nach einem Frühstück die Wanderung in den Süden der Insel.
Es ist wunderschön idyllisch, wir sehen Schafe, Lamas, Kinder die spielen und dazu die schöne Kulisse des Sees und der Berge.
Lago Titicaca
Die Wanderung ist jedoch sehr anstrengend und ich bin etwas krank, sodass mir jeder Schritt schwerer fällt.
Wir besichtigen den Sonnentempel, der für mich nicht mehr als einen Haufen Steine darstellt und gehen weiter auf Wandertour. Aufgrund der unglaublichen Höhe komme ich auch sehr schnell außer Atem.
Die Insel wird gen Süden immer langweiliger und wenig abwechslungsreich, sodass wir uns die letzte Stunde eher quälen.
Wir entschließen uns sofort wieder zurück nach Copacabana zu fahren.
Islas Flotantes, Fliegende Inseln:
Dienstag 02.08.11
Den morgen verbringen wir entspannt in Copacabana und fahren dann mit dem Bus nach Puno in Perú. Witziger Moment: Während wir auf den Bus warten stellt sich auf einmal ein kleiner Junge neben uns und pinkelt einfach so auf die viel befahrene Straße, vor allen Leuten!
Ich bin irgendwie traurig Bolivien schon verlassen zu müssen, ich habe es richtig ins Herz geschlossen.
In Puno gibt es eine weltberühmte Sehenswürdigkeit, die fliegenden Inseln des Titicacsees.
Die Aymara (Ein indigener Stamm) schneiden Sauerstoffhaltiges Schilf und stapeln es, bis daraus nach und nach eine künstliche Insel entsteht. Auch die Häuser und die Boote bauen sie aus diesem Schilf.
Islas Flotantes
Die Insel schaukelt richtig mit den Wellen. Heute leben die Aymarer dort fast ausschließlich vom Tourismus, weshalb wir sehr willkommen sind.
Abends nehmen wir den Bus weiter nach Cusco, in der Hoffnung am nächsten Tag nach Aguas Calientes zu kommen.
Das liebe Geld:
Mittwoch 03.08.11
Morgens um 4:00 Uhr kommen wir an und wissen nur, wir müssen nach Aguas Calientes und zwar noch heute! Wir erfahren, man muss den Zug in Ollantaytambu nehmen und fahren deshalb erstmal zwei Stunden dorthin. Der Weg geht nur über Serpentinen, ich kann trotzdem schlafen.
Wir gehen zum Bahnhof und es gibt tatsächlich noch Tickets. Allerdings kosten diese 70 US$ (!) pro Person für anderthalb Stunden Fahrt.
Wir sind froh nach Aguas Calientes zu kommen, trotzdem liegt uns der Preis schwer im Magen.
Angekommen gehen wir frühstücken und wollen dann die Fluggesellschaft anrufen. Wir hatten einen Hin- und Rückflug von Cordoba nach Cusco gebucht, da dies billiger war. Nun wollten wir Bescheid sagen, dass wir den Hinflug nicht wahrnehmen werden.
Und dann die schlimme Nachricht, der Rückflug verfällt, wenn man den Hinflug nicht nimmt. Wir telefonieren über zwei Stunden, aber es lässt sich nichts ändern. Enttäuscht, frustriert und wütend essen wir etwas, kriegen aber keinen Bissen runter. 380€ einfach so weg und noch schlimmer die Aussicht auf 3 Tage am Stück Busfahren. Wir entschließen uns es trotzdem 3 Tage später am Flughafen zu probieren!
Geburtstag auf Machu Picchu:
Donnerstag 04.08.11
Ich wache auf und möchte am liebsten weinen. Nicht nur, dass unser Flug weg ist, es regnet auch in strömen, obwohl es den Tag zuvor Sonnenschein bei 30°C war. Außerdem habe ich ziemliche Bauchschmerzen. Happy Birthday, denk ich mir…
Tobi geht es genauso wie mir und mit hängendem Kopf machen wir uns langsam auf den Weg. Wir kaufen uns eine Art Plastiktüte als Regenmantel und steigen in den 8US$ teuren Bus.
Angekommen auf Machu Picchu steigt unsere Laune, der Regen hat nachgelassen und wir haben es tatsächlich geschafft, wir sind am Höhepunkt unserer Reise.
Mit dem ersten Anblick der Ruinen verfliegt die schlechte Laune sofort, denn endlich sind wir am Ziel und sehen dieses beeindruckende Werk der Inka, eines der sieben neuen Weltwunder! Wolkenverhangen liegt die verlorene Stadt auf dem Machu Picchu, der Nebel verleiht ihr etwas mystisches.
Machu Picchu (im Hintergrund der Hyanapicchu)
Wir streifen durch die Ruinen und kommen aus dem Staunen nicht heraus, zu beiden Seiten geht es hunderte Meter herunter, die alten Häuser und das ganze überragt vom hohen Huaynapicchu. Irgendwann gratuliert mir Tobi dann zum Geburtstag, der Meinung, dass jetzt der richtige Moment gekommen sei. Er schenkt mir ein Fotobuch mit den Fotos der Reise. Endlich fühle ich mich auch als hätte ich Geburtstag!
Um 10:00 Uhr können wir dann auf den Huaynapicchu herauf. Unter Anstrengung begehen wir den extrem steilen Weg, umsäumt von Inkaruinen. Über nasses Gestein laufen wir, dem Abgrund nahe. Nach einer Stunde sind wir oben, doch die Aussicht bleibt aus, da es sehr bewölkt ist. Wir warten und tatsächlich lässt sich Machu Picchu nach einiger Zeit sehen.
Die Aussicht vom Hyanapicchu
Von oben wirkt die Stadt noch größer und beeindruckender. Die Ruinen schmiegen sich an die kleine Fläche auf dem Machu Picchu und es scheint als würde die Stadt beinahe Teil des Berges sein. Wir steigen bis auf den höchsten Punkt auf, hier ist es windig und auf ein paar Felsen klettern wir zwischen den Touristen hindurch. Das ist wirklich nichts für Leute mit Höhenangst!
Wir nehmen einen anderen Rundweg zu einer Höhle, wo die Inka ihre Leichen begraben haben. Der Weg war wirklich sehr anstrengend, aber letztlich hat es sich gelohnt.
Wieder in der eigentlichen Stadt angelangt sehen wir sie uns nun von nahem an und streifen durch die unterschiedlichen Stadtteile.
Über Machu Picchu ist wenig bekannt und vieles Mythos. Es war zwar lange eine Legende, dass irgendwo in den Bergen eine vergessene Stadt und ein letzter Zufluchtsort der Inka besteht, entdeckt wurde Machu Picchu jedoch erst 1916 und seitdem auch oft geplündert. Man weiß nicht ob es ein heiliger Ort, eine Herrschaftsstadt oder einfach nur ein militärisch günstiger Stützpunkt war, vieles ist Spekulation. Offensichtlich ist nur, dass sie sehr groß und technisch hoch entwickelt war. Sie versorgte sich komplett selbst und man musste Tage über Trampelpfade zu ihr laufen. Ich war einfach nur beeindruckt von den vielen Ruinen und der unglaublichen Lage der Stadt!
Zum Abschluss gingen Tobi und ich noch zum Sonnentor hoch, von wo aus man man einen weiteren guten Ausblick über die Stadt hat.
Aussicht vom Sonnentor
Abends gingen wir noch gut Essen und fielen dann völlig erschöpft nach so einem tollen Tag ins Bett.
Rückfahrt nach Cuzco:
Freitag 05.08.11
Wir entschließen uns dazu Geld zu sparen und einen riesigen Umweg in Kauf zu nehmen, da dieser wesentlich günstiger ist, als die viel befahrene Touristenstrecke von Aguas Calientes nach Cuzco.
Mit dem teuren Zug bräuchte man in etwa 3 Stunden, wir nehmen stattdessen den Zug in die entgegengesetzte Richtung zu einem kleinen Dorf, von wo aus wir ein Auto nach Cusco nehmen. Das ganze beansprucht 9 Stunden (!) und kostet nur ein viertel von dem anderen Zug.
Der Zug fährt direkt um den Machu Picchu herum und durch die Fenster haben wir noch einige Blicke auf die verlorene Stadt, die oben auf dem Berg thront.
Der Weg von dem kleinen Dorf aus dauert deshalb so lange, da wir von 1800m Höhe aus auf einen 4000er Berg herauf müssen und auf der anderen Seite wieder herunter. Wir fahren erst das Tal herunter und dann auf der anderen Seite wieder auf den Berg herauf.
Die Aussicht ist beeindruckend, durch das tropische Klima ist alles sehr grün, durchzogen von vielen Bergflüssen und dazu die riesigen weißen Gipfel im Hintergrund.
Ich genieße die Fahrt und kann mich gar nichts satt sehen, doch nach 5 Stunden mit ununterbrochen lautem Radio, möchte ich dann doch langsam ankommen.
Abends kommen wir dann endlich in Cuzco, der wohl schönsten Stadt Südamerikas an.
Drei Tage Cuzco:
Samstag 06.08.11 – Montag 08.08.11
Wir beide sind sehr kaputt von der vielen Fahrerei, dem anstrengenden Tag auf Machu Picchu und wir hatten seit fast zwei Wochen keinen richtigen Ruhetag mehr. Wir gehen unsere letzten drei Urlaubstage also sehr ruhig an.
Wir streifen durch die Stadt, gucken uns die vielen Kirchen an und ruhen uns viel aus. Cusco ist wirklich wunderschön und hat eine sehr spannende Geschichte.
Im damaligen Inkareich war es die Hauptstadt und ähnlich wie im antiken Rom, führten alle Wege nach Cuzco. Die Inka hatten ein sehr großes Reich und waren technologisch höher entwickelt als viele andere Stämme. Sie besaßen einen großen Reichtum, was sich in ihrer Hauptstadt widerspiegelte. Die Gebäude und Tempel waren mit Gold und Schmuck verziert, nicht verwunderlich, dass dies die gierigen Europäer anzog.
Cuzco wurde im Kampf mehrmals zerstört und heute thronen auf den alten Inkatempeln und denselben Mauern der Inka, die etlichen katholischen Kirchen, verständlicherweise heute ohne Goldverzierung.
Ich weiß nicht wie viele Kirchen in Cuzco stehen, ich sah fast in jeder Straße und auf jedem Platz mindestens (!) eine. Wenn man durch die Gassen Cuzcos streift spürt man die starke Vergangenheit und auch die alten Inka-Einflüsse wurden nicht ganz verwischt.
Alles in allem waren es drei wunderschöne letzte Tage in dieser beeindruckenden Stadt!
Drei Tage Busfahren:
Montag 08.08.11 – Donnerstag 11.08.11
Montagnachmittag machen wir uns mit einem sehr schlechten Gefühl auf zum Flughafen. Es ist ein komisches Gefühl unseren Freunden in San Marcos zu sagen, entweder sind wir morgen Mittag da, oder aber auch erst in drei Tagen.
Wir stehen am Schalter, der Angstellte sagt uns, wie erwartet, unsere Tickets seien nicht mehr gültig. Wir tun trotzdem überrascht, diskutieren, werden laut, in der Hoffnung doch noch einen Platz zu bekommen. Schließlich bietet uns der Angestellte an, dass wir fliegen könnten, wenn noch ein Platz im Flieger frei sei. Wir müssen eine viertel Stunde warten und bekommen dann gesagt, dass alles ausgebucht sei. Es hat also innerhalb von zwei Tagen jemand unsere Plätze gekauft und die Fluggesellschaft hat doppelt kassiert. Wir sind frustriert, enttäuscht, verzweifelt. Das paradoxe ist, dass wir zwar auf dem Flug von Cuzco nach Lima keinen Platz bekommen haben, aber auf dem eigentlich teuren Langstreckenflug von Lima nach Cordoba wären noch viele Plätze unbesetzt gewesen…
Also auf zum Busterminal und sich in Gedanken auf die schreckliche Busfahrt einstellen. Wir bekommen direkt ein Ticket nach La Paz und das sogar in einem der guten Busse. Die erste 14 Stunden Etappe ist angenehm und geht schnell vorbei. Wir kommen am nächsten Tag um 13:00 Uhr in La Paz an.
Weiter zum Ticketschalter, nächstes Ticket lösen nach Villazón, der Grenzstadt zu Argentinien, eine Stunde später sitzen wir im nächsten Bus, der schlimmsten Etappe überhaupt. Wir bezahlen zwar nur 10€ für 20 Stunden Busfahrt, aber dafür entspricht der Bus auch seinem Preis. Wir werden diesmal wirklich durchgeschüttelt und das schon auf den ersten Metern. Mit teilweisen Hüpfern von über einem halben Metern, stoße ich mich öfter an der Decke. Tobi und mir wird schlecht, es gibt keine Toilette im Bus. Wir zwingen uns dazu nichts zu essen und nichts zu trinken, die Zeit vergeht quälend langsam.
Nach fünf Stunden hält der Bus in Oruro, hier steigen unglaublich viele Leute ein und der Bus ist gnadenlos überfüllt. Wir werden umringt von zwei Großfamilien mit schreienden Babys, die Leute essen, urinieren in Plastiktüten, der Gestank ist erbärmlich und ich schaue mit jeder Minute auf die Uhr. Endlich ist es Abend, die vielen Leute machen es sich im Gang bequem, mir tun meine Beine und Knie weh und auch mein Kopf schmerzt. Irgendwie schaffe ich es trotz Geschrei, Gestank, schlechter Luft und ständigem durchgeschüttelt werden, zu schlafen. Sogar gut 6 Stunden der Horrorfahrt verpasse ich. Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir unser Ziel, ich möchte fast den Boden küssen. Diesmal habe ich wirklich die schlimmste Busfahrt meines Lebens überstanden!
Wir machen noch einen Abstecher zu der Bank, in der Tobi seine Kreditkarte gelassen hat und er bekommt sie tatsächlich wieder.
Weiter geht es über die Grenze nach La Quiaca, wir sind froh nach so langer Zeit wieder in der zweiten Heimat zu sein, endlich wieder Argentinien. Die Grenzstadt, die für mich vor zwei Wochen noch überhaupt nicht argentinisch wirkte, war für mich jetzt ein Paradies, endlich wieder Ordnung, endlich wieder vertrauter Akzent und vor allem endlich wieder Argentinien!
Wir steigen in einen 6-Stunden Bus nach Jujuy, von da aus nehmen wir den Nachtbus nach Cordoba. Der größte Kontrast, das war die Beste Busfahrt meines Lebens, wir haben uns einen richtigen Schlafbus gegönnt, man konnte den Sitz wirklich wie ein Bett klappen. Ich habe die 12 Stunden durch geschlafen.
Morgens in Cordoba noch die letzte Etappe nach San Marcos, der 3 Stunden Schnellbus und wir waren wirklich Zuhause! Ich hätte nie gedacht, dass San Marcos mittlerweile so sehr meine Heimat geworden ist. Ich war überglücklich und ganz besonders über die seit drei Tagen fällige Dusche!
Bilanz: 70 Stunden unterwegs, davon 65 im Bus verbracht, insgesamt 5 mal umgestiegen, die Schlimmste und auch die Beste Busfahrt meines Lebens gehabt und ich musste sofort wieder anfangen zu arbeiten!